Archiv für Mai 2007

Mayday? Großartig!

Die Mayday Parade war super!

Aber wahrscheinlich warst du selber da und du weißt, dass es einfach großartig war. Denn weit mehr als 6.000 Menschen waren auf der diesjährigen Mayday Parade, die vom Lausitzer Platz in Kreuzberg zum Hermannplatz in Neukölln zog. Falls du nicht da warst, kommst du bestimmt nächstes Jahr, denn Prekarisierung betrifft noch weit mehr Menschen als die, die auf der Parade waren.
Wir, die Mayday OrganisatorInnen, fanden jedenfalls dass es ein voller Erfolg war. Es hat sich gezeigt, dass das Konzept Prekarisierung und die damit verbundene Lebens- und Arbeitssituation in den Mittelpunkt zustellen, eine richtige Entscheidung war. Auch die Parade, die Politik und Kultur miteinander verbindet und somit einen offenen Charakter
besitzt, wurde, wie die TeilnehmerInnenzahl zeigt, dankend angenommen. Aus dem Grund freuen wir uns schon auf das nächste Jahr und freuen uns auf viele neue Beispiele für den Widerstand gegen die Zumutungen des Kapitalismus in Zeiten von Prekarisierung und Hartz IV, die wir dann am 01. Mai 2008 feiern können. Um die Diskussion über die Form der Parade und über die Perspektiven des Mayday-Netzwerkes in der Zeit vom 02. Mai 2007 bis zum 30. April 2008 anzuheizen, stellen wir im Folgenden ein paar Ergebnisse des Nachbereitungstreffens dar. Wir hoffen auf viele Rückmeldungen von Euch!

Die Parade 2007

Als erstes ein paar Sätze zu den TeilnehmerInnen der Parade in diesem Jahr. Auffällig war, dass die Mayday Parade nicht nur durch die Anwesenheit von mehr oder weniger fest politisch Organisierten Menschen geprägt war. Vielmehr gab es eine große Anzahl von Unorganisierten, die ansonsten gar nicht oder nicht allzu häufig sich auf linke Demonstrationen verirren. Manche waren sogar seit Jahren nicht mehr auf der Straße. Auch Eltern mit Kindern beteiligten sich an der Parade. Dies werten wir als einen vollen Erfolg und ist für uns eine Bestätigung, dass der Mayday-Ansatz, mit neuen Ausdrucksformen zu experimentieren, richtig ist.
Unklar ist jedoch für uns, was die entsprechenden Leute zur Mayday-Parade gebracht hat. War es das Auftaktkonzert am Lausitzer Platz? Waren es die Inhalte und das viele bunte Mobilisierungsmaterial? Waren es die Veranstaltungen im Vorfeld? Oder trifft die Parade gerade ein weit verbreitetes Bedürfnis, die eigene Unzufriedenheit mit den Verhältnissen jenseits der althergebrachten Formen politischen Protestes auf die Straße zu tragen? Genaue Gründe wissen wir nicht. Tatsache bleibt, dass viele Menschen, gerade Unorganisierte mit der Mayday Parade erreicht wurden und sich somit die Zusammenarbeit von eher kulturell ausgerichteten Initiativen und politischen Gruppen sich bewährt hat.

Dennoch haben sich, zu unseren Bedauern, trotz der hohen TeilnehmerInnenzahl nur wenige selbstständig kreativ in die Gestaltung der Parade eingebracht. Zwar gab es viele zum Teil aufwändig gestaltete Wagen und auch die Rebel Clown Army sowie eine Samba-Band. Auch haben die vom Mayday-Bündnis bereit gestellten Sprechblasen haben die Parade bereichert. Kaum zu sehen waren hingegen Transparente, selbst gemachte Schilder oder Sprechchöre, geschweige denn überraschende Aktionen am Rande der Parade. Auch gab es aufgrund der Gesamtchoreographie des Tages einen Schwund von TeilnehmerInnen ab 17:00Uhr. Dass so vergleichsweise wenige Leute aktiv auf die Gestaltung der Parade Einfluss genommen haben, ist einerseits Ausdruck der doch eher konsumistischen Berliner Demotradition. Andererseits auch Ausdruck der hohen Zahl Unorganisierter. Dies zeigt, dass das Interesse gegen prekäre Verhältnisse sich zur Wehr zusetzen vorhanden ist, aber bis jetzt nur wenige Ansätze verbreitet sind. Bisher existieren nur wenige Initiativen, die sich mit der Gegenwehr gegen prekäre Lebens- und Arbeitssituationen auseinandersetzen. Von den wenigen konnten durch die Parade einige sichtbar gemacht werden. Es wäre für 2008 gut, wenn noch mehr Initiativen entstehen würden und sich auf dem Mayday mit einbringen.

Mehr Bewegung

Auch wenn so viele Menschen auf der Parade waren, so wurden hauptsächlich jüngere und studentische Menschen erreicht. Auf der Parade war eher die Generation Praktikum bzw. die digitale Bohéme als die Lidl-Angestellten und Langzeitarbeitslosen. Dennoch waren organisierte Erwerbslose und Flüchtlinge auf der Parade und bei den Diskussionen, Veranstaltungen und Aktivitäten im Vorfeld beteiligt und organisierten diese teilweise mit. Denn die inhaltliche Schnittstelle Prekarisierung schafft die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen Spektren und es bleibt zuhoffen, dass die Zusammenarbeit mehr ausgebaut werden kann.
Dies finden wir bestrebenswert, da der Mayday eine Bewegung sein soll und nicht nur symbolische Politik, wie die Parade am 01. Mai. Es soll eine Zusammenarbeit über diesen Tag hinaus in unterschiedlicher Art und Weise stattfinden, damit die prekären Verhältnisse und die alltägliche Unzufriedenheit darüber sichtbar gemacht werden und Widerstand entstehen und organisiert werden kann. Wie diese Zusammenarbeit speziell aussehen soll, ist noch unklar. Fakt bleibt, dass die Gemeinsamkeiten zwischen den perspektivlosen Studierenden, prekär Beschäftigten, Erwerbslosen und Flüchtlingen da sind und diese durch gemeinsame politische Aktivitäten oder Diskussionen dargestellt werden können. Den Rahmen dafür kann der Mayday bieten, da Prekarisierung der Oberbegriff ist und jedeR sich darin wieder finden kann.

Das Bündnis

Als Grundlage für die Mayday Bewegung hat sich in Berlin ein Bündnis zusammen gefunden, welches versucht gemeinsam sich gegen die prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse zur Wehr zusetzen. In der Vorbereitung des diesjährigen Maydays war ein Spektrum von Initiativen aktiv, die sonst in der Berliner Protestlandschaft eher selten zusammen kommen: klassische linke Gruppen und Netzwerke wie FelS oder AGs von Attac sowie die Interkomms, Antifa Gruppen, das Berliner Sozialforum, Erwerbsloseninitiativen, die anarchosyndikalistische Basisgewerkschaft der FAU, und politisch-kulturelle Initiativen wie die Fuckparade und die hedonistische Internationale. Die gemeinsame Vorbereitung und die vielen Veranstaltungen waren Schritte der politischen Annäherung an das Thema. Unsere Perspektive ist, über bis zum 01. Mai 2008 weiter zusammen zuarbeiten um genaue Vorstellungen über die „prekären Verhältnisse“ besonders in Berlin und Brandenburg zubekommen und auch sichtbar zumachen. Das heißt zum Beispiel, dass wir uns im nächsten Jahr verstärkt in die politischen Auseinandersetzungen und die sozialen Aneigungs- und Arbeitskämpfe in Berlin und Umgebung begeben müssen und auch versuchen werden.

Die Wirkung der diesjährigen Parade

Trotz engagierter Pressearbeit ist die Mayday-Parade im Berliner 01.Mai Zirkus untergegangen. Auf Grund des in der Presse stark dominierenden Themas 20 Jahre 01. Mai in Berlin, konzentrierte sich die mediale Aufmerksamkeit auf die Randalefrage und auf das allgemeine Spektakel. In diesem Zusammenhang wurde der Mayday nicht gestellt, da es eine Demonstration im Anschluss der Parade gab, die ausschließlich mit diesem Thema in Verbindung gebracht wurde.
Wir hätten uns mehr Wahrnehmung im Vorfeld gewünscht, jedoch zeigt die hohe TeilnehmerInnenzahl, dass ein Bewusstsein um das Thema Prekarität existiert. Dies beweist, dass die Mayday-Parade eine zukunftsträchtige Protestform am 01. Mai ist. Denn sie war eine inhaltlich-politische Veranstaltung, die ein Bedürfnis ansprach, das dazu beitrug, dass so viele Menschen wie schon lange nicht mehr am 01. Mai in Berlin auf der Straße waren. Die Parade hat es in diesem Jahr eher als andere Demonstrationen geschafft, mit linken Inhalten zu überzeugen und nicht nur einfache Parolen zu bieten, sondern nach Bedingungen für sozialen Widerstand in prekären Verhältnissen zu fragen.

Wie geht’s weiter?

Da wir mehr wollen als nur symbolische Politik am 01. Mai zu machen, mobilisieren wir gemeinsam mit unseren FreundInnen aus vielen anderen europäischen Städten für ein gemeinsames Auftreten der Mayday-Bewegung bei den G8-Protesten. Der Mayday wird gemeinsam mit den Überflüssigen und Superhelden sich bei der Demo am 02. Juni in Rostock und den Blockaden an den darauf folgenden Tagen ein buntes Stelldichein geben!
Außerdem freuen wir uns schon am 30. Mai die Euromärsche der Erwerbslosen und prekär Lebenden an der Spree zu begrüßen, die weiter nach Heiligendamm und zu den Protesten gegen G8 marschieren. Wir würden uns freuen viele von Euch in Rostock zusehen! Kommt deswegen am 02. Juni nach Rostock und haltet nach den Überflüssigen und Superhelden Ausschau!
Wir werden da sein…

Überflüssige und prekäre Superheldinnen: Die Unschlagbaren::::::The Dispensables* and precarious Superheroes: the Unbeatables

Aufruf zum gemeinsamen Block bei der Großdemonstration in Rostock am 2. Juni 07 und bei den Massenblockaden gegen den G8-Gipfel in Heiligendamm.
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CALL for a common block at the mass demonstration and at the mass blockades
against the G8 summit

Gemeinsam mit zehntausenden Anderen werden sich Überflüssige und prekäre Superheldinnen an der Großdemonstration und an den Massenblockaden während des G8-Gipfels beteiligen.

Die Überflüssigen setzen sich, wie viele kämpfende Aktivistinnen weltweit, weiße Masken auf. Unter anderem haben sie im Berliner Nobelrestaurant Borchardt den Reichen vom Teller gegessen und das Büro eines übermotivierten Lüneburger Sozialamtsangestellten zwangsgeräumt. Die Überflüssigen greifen die Barbarei des Kapitalismus an, in der Menschen nicht als Menschen, sondern als gesichtsloser auszubeutender Rohstoff vorkommen und ihre Vielfalt für rassistische und sexistische Unterdrückung instrumentalisiert wird. Ihr Respekt und ihre Verbundenheit gelten den Sans Papiers, Piqueteros, streikenden Frauen in Weltmarktfabriken, Landlosen, Prekarisierten, Unsichtbaren. Die Superhelden sind in den letzten Jahren in den unterschiedlichsten Zusammenhängen aufgetaucht: Von Superbarrio in den Slums in Mexico City bis hin zu Superflex und Spidermum auf der Euromayday-Parade in Mailand. In Hamburg haben als Comic-Helden verkleidete Aktivistinnen geklaute Lebensmittel aus einem Gourmetgeschäft an Erwerbslose und Praktikanten verteilt und zur dortigen Euromayday-Parade aufgerufen. (mehr…)

Mayday prekarisiert G8 in Rostock!

Wie ihr wahrscheinlich schon wisst, findet in wenigen Wochen das G8 Treffen in Heiligendamm statt. Aus der ganzen Welt reisen viele Menschen an, um gemeinsam ihrem Protest gegen dieses Treffen Ausdruck zu verleihen und es zu delegitimeren. Zahlreiche Aktionen wie bspw. die Kampagne Block G8 und mehrere Demonstrationen sind bereits geplant. Diese Gelegenheit wollen auch wir nutzen um vor Ort unseren Widerstand gegen unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse sichtbar zu machen. Gemeinsam mit MaydayerInnen aus anderen Städten und Ländern werden wir auf der Großdemonstration in Rostock zeigen, dass nicht nur unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse weltweit Realität sind, sondern auch der Protest dagegen.
Wenn auch du Lust und Laune hast, dich in Rostock gegen die Prekarität zur Wehr zu setzen, dann komm zum Vorbereitungstreffen am 23.Mai um 18:00 Uhr in die Zielona Gora in Friedrichshain…

Öffentliches Mayday-Nachtreffen

Mayday07Euch hat der Mayday gefallen? Ihr wollt der Parade noch mehr Taten folgen lassen und euch gegen prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse zur Wehr setzen? Ihr wollt euch einfach informieren und wissen, wie es weitergeht? Ihr habt schon Ideen, was mit dem Mayday als nächstes passieren soll? Dann kommt zum offenen Mayday-Nachtreffen! Und zwar am Montag, den 7.5.2007 um 19:00 im Havemann-Saal im Haus der Demokratie in der Greifswalder Strasse 4 in Prenzlauer Berg.