Archiv für Januar 2008

Gala der prekären Perspektiven

alig„Ich habe im Sommer gekellnert um mir das Praktikum leisten zu können. Ich möchte gerne einmal in diesem Bereich arbeiten.“ (Praktikantin Berlinale)

„Ich hätte gerne eine Situation, in der man nicht so’n schlechtes Gewissen hat, wenn man mal nicht kann.“

„Ich habe die Hoffnung, dass es irgendwie klappt.“ (beliebige Urheber)

„Ich verdiene sehr wenig, aber ich gucke mir so viele Filme an, wie ich kann. Danach rechne ich mir aus, was ich gespart habe.“ (Volontär Berlinale)

Last exit Kreditkartenhopping
Hingehen, wo es weh tut. Das hat sich die Berlinale dieses Jahr vorgenommen. Unser Routenvorschlag: Einen Schritt raus aus der Tür, umdrehen, wieder rein. Zum Beispiel prekäre Arbeit in der Filmbranche. Von den Kassierern bei Cinemaxx, die von 6 Euro 50 die Stunde leben, den Praktikanten der Berlinale, denen die Hoffnung auf einen Job Lohn genug sein soll, bis zu den selbstständigen Filmschaffenden, denen nach jedem Projekt der Absturz auf Hartz IV droht. Selten liegen Prekarität und Glamour so dicht beieinander. Arm aber sexy eben.

Was ist die Leitwährung auf der Berlinale: Hoffnung? Aufmerksamkeit? Ist Armut der Preis für Glamour? Wann wird der rote Teppich zum roten Tuch? Wo gehen die Prekären der Kulturproduktion zum Angriff über? Welche Strategien haben sie entwickelt? Im Rahmen der Kampagne „Mir reicht’s … nicht!“ haben wir zahlreiche Gespräche mit Beschäftigten auf der documenta und auf der Berlinale geführt. Wir laden ein zu einer Suche mit ungewissem Ausgang.

Mir reicht’s … NICHT! Gala der prekären Perspektiven
9. Februar 2008, 20 Uhr, Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz/Roter Salon
Ein Abend mit szenischen Lesungen, Filmkunst und Berichten aus dem widerständigen Alltag. Mit Beiträgen von Berlinale Beschäftigten und Filmschaffenden, der Writers Guild of America, den Intermittents du spectacle, den Surfpoeten, Euromayday Hamburg-Berlin

Mir reicht’s … NICHT! Party
Freitag, 15. Februar 2008, 22:30 Uhr, Festsaal Kreuzberg, Kottbusser Tor

(Euro)Mayday Parade
1. Mai 2008, Hamburg, Berlin, Mailand …

„Mir reicht’s … nicht!“ ist eine Initiative von Euromayday Hamburg und Berlin.
www.mirreichts-nicht.org
berlin.euromayday.org

„Mir reicht’s…nicht“ – Mayday goes Berlinale

Nicht mehr ganz zwei Wochen. Vor und im Berlinale Hauptquartier in der Potsdamer Str.5 rotieren die MitarbeiterInnen, PraktikantInnen und alle Zu- und Belieferer der Berlinale. Stress ist in diesen Tagen der Normalzustand. Genau der richtige Zeitpunkt, um die letzten Interviews mit den Beschäftigten zu führen. Warum arbeiten sie für die Berlinale? Welches Versprechen lässt sie 80 Stunden pro Woche schuften? Was sind ihre Wünsche, Ängste und Bedürfnisse?= Und welche Strategien haben sie entwickelt, in prekärer Lage über die Runden zu kommen?

Die prekäre Wirklichkeit hinter dem roten Vorhang soll zum Thema auf der Berlinale werden. Das ist das erklärte Ziel der „Mir reicht’s … nicht!“ Kampagne. Denn selten liegen Prekarität und Glamour so dicht beieinander wie in der Filmbranche. Arm aber sexy eben.

Ist Armut der Preis für Glamour? AktivistInnen von (Euro)Mayday Hamburg und Berlin haben in den letzten Wochen (mehr…)

Neue Klassenkämpfe? Workshop und Buchvorstellung

Es geht auch ohne den DGB – Buchvorstellung und Diskussion
8.2.08, 19.30 Uhr, BAIZ, Christenstr. 1

Der Historiker Peter Birke wird sein kürzlich im Campus-Verlag erschienenes Buch „Wilde Streiks im Wirtschaftswunder – Arbeitskämpfe, Gewerkschaften und soziale Bewegungen in der Bundesrepublik und Dänemark“ vor- und zur Diskussion stellen. Dabei soll es auch um die Frage gehen, welche Bedeutung wilde Streiks heute angesichts der Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse und des teilweisen Bedeutungsverlust des DGB heute haben und wie eine außerparlamentarische Linke darauf reagieren kann.
Die Veranstaltung und der Workshop am Tag drauf werden von den Internationalen KommunistInnen und der Gruppe Soziale Kämpfe im Rahmen der vom Euro-Mayday-Bündnis organisierten Veranstaltungsreihe „Prekarität – Solidarität – Widerstand“ vorbereitet.

Workshop zu: Betriebliche Bewegungen und Perspektiven antikapitalistischer Intervention
9.2.08, 14.30 bis 19 Uhr, Haus der Demokratie

Die Fragmentierung der ArbeiterInnenklasse in eine Vielzahl von (Lohn)Arbeitsverhältnissen hat nicht zu einem Verschwinden des Klassenkampfes geführt. Im neoliberalen Kapitalismus hat das Kapital den sozialstaatlichen Klassenkompromiss einseitig aufgekündigt. Prekarisierung von Arbeits- und Lebensverhältnissen, verstärkte Konkurrenz und eine Individualisierung der Konflikte erschweren die Entstehung von Widerstand und Gegenmacht. (mehr…)