be.STREIK.berlin! Der Aufruf für 2008…

be.STREIK.berlin
*Organisiert das schöne Leben!*
english / svenska below

Streik bei der Bahn, bei der BVG, in den Kaufhäusern… Streiks bringen den Alltagstrott durcheinander. Dieses „ich spiel euer Spiel nicht mehr mit“ finden wir klasse, genau so wie ein klares „Nein“ zur richtigen Zeit ein Befreiungsschlag vom alltäglichen Stress sein kann. Nach Jahren des Verzichts und der Abwehrkämpfe werden hier endlich mal wieder Ansprüche gestellt. In den Kämpfen taucht die alte frage auf: Wie wollen wir leben und arbeiten, und wie ist der Reichtum in der Gesellschaft verteilt?
Wir wollen gar nicht drüber streiten ob soundsoviel Prozent mehr Gehalt gerechtfertigt sind oder nicht. Uns ist klar, dass hier was nicht stimmt: eben zu viel Scheiße für zu wenig Geld. Zu wenig Kuchen für alle… Aber wer kann überhaupt streiken?

don‘t be berlin, be mayday
Deine Kräfte reichen gerade dazu aus, um den Balanceakt zwischen Praktikum/Ausbildung/Job/Ämterstress/Studium/Kindern und Freunden zu bewältigen. Streikgeld zahlen Dir weder Deine Kinder noch Dein Chef und schließlich brauchst Du das Geld zum Überleben. Und wenn Du doch mal ne freie Minute hast und Dich an der Spree entspannen willst, ist das ganze Ufer mit Bürogebäuden zugeschissen, Kultur passt da nur noch als kommerzielles Spektakel rein.

Überhaupt Geld und Spektakel: Seit Berlin seine öffentlichen Einrichtungen privatisiert, um Hauptstadtzauber und Bankenskandalschulden zu finanzieren, steigen die Preise für Mieten, BVG, Strom, Gas, Wasser, KiTas, Schwimmbad etc. Wie soll man dagegen streiken? Kalt duschen und Licht ausschalten? Klauen, schwarzfahren, aneignen?

„Be Berlin? Ick glaub ick spinn. Wie kann man 10 Millionen für ne Kampagne ausgeben und in den Jugendzentren pfeifts durch die nicht reparierten Fenster?“ (Henning, Imagekampagnenopfer)

Wir alle schlagen uns täglich mit solchen und ähnlichen Problemen herum. Beim Mayday wollen wir diese Alltäglichkeiten, die Konflikte darin und unsere Gemeinsamkeiten sichtbar machen. Zusammen suchen wir nach Wegen, uns gegen die allgegenwärtigen Zumutungen des Kapitalismus zu wehren. Fröhlich, bunt und voller Zorn feiern wir am 1. Mai mit Lust an der Utopie unsere täglichen Widerständigkeiten, Widersprüchlichkeiten und Wir-AGs.

„Manchmal wird mir von Freunden vorgeworfen, deine Karriere ist dir sowieso viel wichtiger als deine Beziehung oder als deine Freunde. Aber die verstehen das nicht, ich habe keine Karriere, ich hab nur Jobs, ich muss nur irgendwie an Geld rankommen und das ist für mich hart.“ (Bühnenbildnerin)

Lasst die Poesie der Straße erklingen!

Wie im Mai 1968: Damals brach sich die Begierde nach einem anderen Leben Bahn. 14 Millionen ArbeiterInnen bestreikten und besetzten in Frankreich ihre Betriebe, im Prager Frühling forderte man einen Kommunismus ohne selbsternannte Führer, ohne graue Arbeitsstätten und ohne gefühllose Bürokratien. StudentInnen gingen auf die Barrikaden. Für einen Moment schien die Utopie einer anderen Welt greifbar: Weltweit wurde der alten Schufterei und Disziplin etwas entgegen gesetzt. Die Herrschenden wurden verunsichert.

„Diese Mischung ist wirkungsvoll, denn diese Mischung knallt ganz doll“(Slime)

Autoritäre Strukturen aufbrechen, das Patriarchat untergraben, Rassismus bekämpfen, Platz für die Verwirklichung neuer Ideen schaffen, selbstbestimmt leben und arbeiten – darum geht es bis heute. Die Individualisierung der Lebenswelten, Flexibilisierung und Selbstverantwortung wurden jedoch auch die Grundlage einer neoliberalen, ellenbogenbasierten Konkurrenzgesellschaft.

Macht der Prekarisierung?

Die Verinnerlichung der Vorstellung, dass alle ihres Glückes eigener Schmied seien, ist heute darin gemündet dass wir alle Unternehmer unserer selbst sein müssen, die permanente Selbstvermarktung inklusive. Wir arbeiten jetzt immer und überall, mit Haut und Haaren!
In zahllosen Kleinbetrieben hoffen prekär Beschäftigte beim Tellerwaschen oder Grafikdesignen auf die Einlösung des Heilsversprechens der „sozialen Marktwirtschaft“: Für die einen wäre dies ein sicherer Aufenthaltsstatus, für die anderen eine Festanstellung mit Sozialversicherung. Daneben ist die Drohung mit Prekarisierung und Verarmung ein Motor zur eifrigen Unterordnung an die „Erfordernisse des Marktes“: unbezahlte Praktika, Lohnverzicht in Tarifrunden, Konkurrenz, Vereinzelung….

Auch wenn die Lebensrealitäten von Illegalisierten in der Niedriglohnbranche und der digitalen Boheme sich unterscheiden, so laufen alle dennoch in demselben Hamsterrad um Anerkennung und einem Versprechen der Selbstverwirklichung. Die Zone, in der dieses Glücksversprechen existiert, wird durch innere und äußere Zäune begrenzt.

Prekarisierung der Macht!

Mit dem Mayday sind wir auf der Suche nach Widerstandsformen, die unsere Gemeinsamkeit erlebbar machen sollen. Mit dem Mayday wollen wir eine Organisierung in Bewegung bringen um das beschissene Hamsterrad zu zertrümmern.

Heraus zum Euromayday! Komm mit uns zur Maydayparade 2008: Bewegen, tanzen, demonstrieren – für die Prekarisierung der Macht, die Lust auf Solidarität, eine Stadt für alle und den organisierten Ichstreik gegen den Markt in unseren Köpfen. Wir sind die von der Wir-AG, unsere Börse ist die Straße und der Küchentisch. Die Batterie ist geladen, der Ipod ist schrott. Who cares? Wir sehen uns! In diesem Sinne – be.STREIK.berlin- be mayday!

*Maydayparade//1. Mai ’08//14 Uhr//Boxhagener Platz//Friedrichshain//Berlin*


be.A STRIKER IN.berlin. Organise the good life!

‚Too much shit, not enough money!‘ (Mrs. Weber – Bathroom Cleaner, Berlinale Film Festival)

Train strikes, underground strikes, strikes in the supermarket… strikes mess with the daily grind.
We think this I‘m-not-playing-your-game-anymore is great, in the same way as a clear ‚No!‘ at the right moment can deliver a bit of freedom from the stress of day-to-day life. After years of defensive struggles and surrender, demands are finally being made. Within these struggles, the old question arises again: How do we want to live and work? And how is wealth distributed in society?
We aren‘t interested in discussing what wage percentage increase is justified or not. Something is clearly not right here: Too much shit, for too little money! Not enough cake for everyone… But who can actually strike?

Don‘t just ‚be berlin‘, Be Mayday
You‘re only just able to manage a balancing act between your internship, job, hassle from the job centre, your studies, kids and friends. You‘re neither entitled to strike pay from your kids nor your boss; but at the end of the day, you need money to survive. And when you eventually have a spare minute and want to relax on the Spree, its banks is ever more filled with office blocks. Culture is reduced to a commercial spectacle.
On the issue of money and spectacle: Since Berlin privatised its public facilities – to finance the glamour of the capital city and the debts incurred through the ‚bank scandal‘ a few years back – the price of rent, public transport, electricity, gas, water, nurseries, swimming pools and so on have all risen. How can you strike against that? Take cold showers and turn out the light? Shoplifting? Fair dodging? Reappropriation?

‚‘be berlin‘? Are they crazy? How can you spend tens of millions on a campaign while the youth clubs are left to rot with nobody repairing broken windows.‘ (Henning, ‚Victim‘ of Berlin’s new image campaign)

We all have to deal with these and other problems on a daily basis. Through Mayday, we want to make these everyday matters, the conflicts within them and our commonalities visible. Together, we‘re looking for ways of resisting the affronts of capitalism which confront us everywhere. Festively, colourful, and full of rage – on 1 May, we will celebrate our everyday resistances, contradictions, and the ways we work together.

‚Sometimes, friends of mine accuse me of placing more importance on my career than my friendships or partner. But they don‘t understand. I don‘t have a career. I just have jobs, and I need to earn money – and that’s hard for me.‘ (Stage Builder)

Let the poetry of the streets sound!
Like in May ’68: Back then, the desire for a different life led the way. 14 million workers went on strike and occupied their factories in France. The Prague Spring demanded a communism without self-appointed leaders, without grey workers‘ cities, and without callous bureaucracies. Students took to the barricades. For a moment, the utopia of another world seemed possible. Around the world, opposition to the old drudgery and discipline rose up. The powerful were nervous.

‚This mix is effective, this mix is gonna blow!‘ (Slime, ’80s German punk band)

The forcing open of authoritarian structures, undermining patriarchy, combating racism, creating space for realising new ideas, the self-determination of life and work – these processes have continued into the present. The individualisation of life-styles, flexibilisation, and responsibility for oneself, has, however, also become the basis of a neoliberal, competition-oriented society.

The Power of Precarisation?
The internalisation of the notion that everyone creates their own destiny, today, has led to us all becoming our own entrepreneurs, marketing our selves. We work all the time, and everywhere.
In countless small businesses, precarious workers – washing dishes, or designing graphics – hope for redemption through the promise of salvation offered by the ’social market economy‘. For some, redemption would be a secure residency permit status; for others: a permanent job with social insurance. On top of this, the threat of precariousness and impoverishment is a motor for arduous subordination to the ‚requirements of the market‘: unpaid internships, wage sacrifices during rounds of collective bargaining, competition, separation…
Even if the lived realities of illegalised, low-waged workers and the so-called ‚digital bohemians‘ are very different, everyone is caught in the same rat race for recognition and the promise of self-realisation. The zone in which this promise of happiness exists, is restricted by internal and external barriers.

The Precarisation of Power!
With Mayday, we‘re looking for forms of resistance which enable us to live our commonalities. We want to set a process of organisation in motion which can shatter this shitty rat race.
Out on the streets for EuroMayday! Come with us to the Mayday Parade 2008: Move, dance, demonstrate – for the precarisation of power, the zest for solidarity, a city for everyone, and the organisation of the iStrike against the market in our heads. Let’s work together! Our exchange is in the streets and at the kitchen table! The batteries are charged, but the iPod is fucked. Who cares? We‘ll see you there! In this sense: Don‘t just ‚be berlin‘, be.A STRIKER IN.berlin! Be Mayday!

Mayday Parade // 1 May ’08 // 2pm // Boxhagener Platz // Friedrichshain // Berlin.

S V E N S K A
be.STREJKA.berlin

”För mycket skit, för lite pengar!” (Fru Weber, toalettassistent)

Lokförarstrejk, strejk i tunnelbanan, strejk i livsmedelsbutiker… Strejker skapar oreda i vardagen. Det här ”jag spelar inte med i ert spel längre” tycker vi är grymt, på samma sätt som ett tydligt ”NEJ!” vid rätt tillfälle, kan ge en pust av frihet i vardagslivets stress. Efter år av defensiv kamp och uppgivenhet börjar äntligen högre krav att ställas. I kampen träder återigen två gamla frågor fram: Hur vill vi egentligen leva och arbeta och hur fördelas rikedomen i vårt samhälle? Vi är inte intresserade av att diskutera hur många proent i löneökning som är berättigat. En sak är säker, det är något som är i grunden felaktigt: För mycket skit för alltför lite pengar, för små bitar av kakan till alla… men vem kan överhuvudtaget strejka?

Don’t ”be berlin”, be mayday!
Dina krafter räcker precis till att för att klara av balansakten mellan praktik/ utbildningar/ jobb/ arbetsförmedlingsjidder/ plugg/ barn och att träffa vänner. Du får varken strejklön från din chef eller dina barn, men pengar behöver du ändå för att överleva. Och när du faktiskt har tid, och bara vill lägga dig vid Spree och ta det lugnt inser du att hela flodbanken fylls mer och mer av kontorskvarter. Kultur reduceras till ett kommersiellt spektakel. Apropå pengar och spektakel: sen Berlin privatiserade sina offentliga inrättningar, för att finansiera huvudstadsglamouren och för att betala av de skulder som uppkom i och med bankskandalen för några år sen, stiger hyrorna, kollektivtrafikspriserna, badhusavgifterna, och priserna för gas, el och vatten. Hur strejkar man mot det? Genom att duscha kallt och stänga av alla lampor? Genom att planka, snatta och autoreducera?

” ’be berlin’ jag tror jag blir galen. Hur kan man betala 10 miljoner euro för en pr-kampanj när fritidsgårdarna lämnas att ruttna eftersom dess fönster inte repareras?” (Henning, pr-kampanjsoffer)

Vi måste alla brottas med dessa och liknande problem dagligen. Genom Mayday vill vi göra denna vardag, konflikterna i den, och vår gemenskap synlig. Tillsammans försöker vi hitta sätt att stå emot attackerna från den på alla fronter attackerande kapitalismen. Festliga, färgsprakande och fyllda av ilska – den 1:a maj firar vi vårt motstånd, våra olikheter och vår gemensamma kamp.

”Ibland får jag höra från mina vänner: du prioriterar din karriär framför dina vänner och din partner. Men dom förstår inte. Jag har ingen karriär. Jag har jobb, jag måste ju tjäna pengar och det är inte så lätt för mig.” (Scenbyggare)

Låt gatans poesi ljuda!
Som i maj 1968: då visade lusten för ett annat samhälle vägen. Fjorton miljoner arbetare strejkade eller ockuperade sina fabriker i Frankrike. Under Pragvåren krävde man en socialism utan självutnämnda ledare och känslolösa byråkrater. Studenter gick upp på barrikaderna. Under ett ögonblick verkade utopin om en annan värld inom räckhåll. Runt om i hela världen blommade en opposition mot slavgöra och disciplin upp. Herrarna blev nervösa.

”Den här blandningen är verkningsfull, så den här blandningen kommer smälla högt!” (Slime, tyskt punkband från 80-talet)

Bryt upp auktoritära strukturer, undergräv patriarkatet, bekämpa rasismen, gör plats för förverkligandet av nya idéer, för ett autonomt organiserat liv och arbete; om detta handlar det än idag. Individualiseringen av livsstilar, flexibiliseringen och det ökade självansvaret har blivit en grundval för ett nyliberalt konkurrenssamhälle.

Prekariseringens makt?
Spridningen av uppfattningen att alla måste vara sin egen lyckas smed, har nu gjort att vi alla tvingas bli våra egna föregångsmän, att ständigt marknadsföra oss själva. Vi arbetar idag överallt och alltid, i vårt anletes svett.
I oräkneliga små företag, hoppas prekära diskare, eller grafiker, att hitta en räddning i löftet om den ”sociala marknadsekonomin”. För vissa skulle en räddning vara ett förstahands hyreskontrakt, för andra ett fast jobb som ger rätt till socialförsäkring. Som om detta inte vore nog används hotet om prekarisering och levnadsstandardssänkning som en piska för att skapa och förstärka en underordning under ”marknadskrafterna”. Obetald praktik, sänkta lönekrav i kollektivavtalsförhandlingar, tävling, separation…
Även om livet ter sig rejält annorlunda för den papperslöse svartarbetaren än den ”digitala bohemen”, är vi alla fast i samma ekorrhjul i vår kamp för erkännande och självförverkligande. Zonen där dessa löften om lycka existerar, på riktigt, är avspärrad med yttre och inre barriärer.

Maktens prekarisering!
Med Mayday, söker vi efter motståndsfomer som ska göra vår gemensamhet kännbar. Med Mayday vill vi organisera en rörelse som sätter käppar i ekorrhjulet. Gå med oss i Euromayday! Kom med med i vår Maydayparad 2008: demonstera, dansa, rör er – för maktens prekarisering, lusten till solidaritet, en stad för alla och för organiserandet av jagstrejken… mot marknaden i våra huvuden. Låt oss arbeta tillsammans! Vår börs är gatan, ibland även köksbordet. Batterierna är laddade, Ipoden är trasig. Vem bryr sig? Vi syns!

Be.STREJKA.berlin – be mayday
Mayday-parad// 1:a maj 08// 14.00// Boxhagener platz// Friedrichshain// Berlin


1 Antwort auf „be.STREIK.berlin! Der Aufruf für 2008…“


  1. 1 zeitrafferin » Julia Seeliger » Morgen: Maikampftag Pingback am 30. April 2008 um 14:03 Uhr
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