Prekäres Babylon

Am 15. Juli entschied das Arbeitsgericht Berlin, dass die „Neue Babylon Berlin GmbH“ verpflichtet ist dem ehemaligen und zu unrecht fristlos gekündigten Mitarbeiter Jason K. rückwirkend zwei Monatsgehälter auszuzahlen.

Wie die Firma vor Gericht bekannt gab wurde Jason gekündigt weil er einen offenen Brief an das Management und die Belegschaft des Kinos Babylon Mitte schrieb. Darin kritisierte Jason die Nichtverlängerung seines Arbeitsvertrages und machte Verbesserungsvorschläge für die Arbeitsbedingungen. Die Kinobetreiber die als linksalternative gelten, sagten Jason störe den Betriebsfrieden.

Die Richterin wies diesen Grund für eine fristlose Kündigung als unzulässig zurück und verpflichtete die „Neue Babylon Berlin GmbH“ zur Zahlung von zwei weiteren Monatsgehältern.

Es ist es nicht das erste Mal, dass das Kino „Neue Babylon Berlin GmbH“ seine Mitarbeiter unfair behandelt. „Je öfter ich über meinen Fall spreche, desto mehr höre ich auch von derzeitigen Mitarbeitern, welche Probleme sie mit dem Management des Kino Babylon Mitte haben“, erzählt Jason K. „Ich habe von früheren Fällen erfahren, in denen Mitarbeitern ohne vorherige Abmahnung und ohne Angabe eines Grundes einfach nicht mehr im Schichtsystem eingeteilt wurden, was in der Auswirkung für die Beschäftigten einer fristlosen Kündigung gleichkommt. Als ich die Geschäftsführung fragte, warum ich während meiner Beschäftigung nie Feedback erhalten habe oder eine Abmahnung bekam, bevor ich die unbefristete Kündigung erhielt, antwortete er, dass es einfacher sei Beschäftigten zu kündigen als mit ihnen über ihre Arbeitsweise zu sprechen.“

Ein aktueller Arbeitnehmer, der darum bat, anonym zu bleiben, erklärt: „Ich fühle mich ausgenutzt. Es nervt mich, dass die Menschen in dem Kino angelernt werden ohne dafür einen Cent zu bekommen. So kann die GmbH immer zum Nulltarif jeden der alten Mitarbeiter ersetzen und der Neue weiß noch nicht einmal, dass er wahrscheinlich den Kollegen, der ihn gerade anlernt, ersetzen wird.“ Weitere Unzulänglichkeiten sind das keine Urlaubstage angerechnet werden und das verpflichtende Dienstversammlungen unbezahlt bleiben. Die Minimalbezahlung beträgt 5,50 € / Stunde und verstärkt die prekäre Arbeitssituation der Mitarbeiter, wobei dies nicht untypisch für die unsicheren Arbeitsverhältnisse in diesen Branchen ist.

Phillip Stein vom Berliner Mayday Buendnis sagt: „Der Streit im Babylon ist kein Einzelfall. Viele Beschäftigte in Berliner Kinos klagen über prekäre – also unsichere – Arbeitsbedingungen. Weil sie auf den Job angewiesen sind, wehren gerade Studenten sich oft nicht gegen niedrige Löhne und intransparente Schichteinteilungen. Schriftliche Arbeitsverträge sind längst nicht die Regel. Der aktuelle Fall zeigt, dass eine Vernetzung von Prekarisierten sinnvoll ist und zum Erfolg führen kann. Wir begruessen das Engagement von Jason K. und rufen alle Beschaeftigten auf, sich gegen derartige Zumutungen zu wehren.“

Wir verweisen auf diesem Weg auch auf die vor einigen Monaten gemachten Umfragen und Aktionen hin die in mehreren Berliner Kinos, auf der Berlinale und der Document im Rahmen der Kampagne: „Mir reicht’s….nicht!“ gemacht wurden.


2 Antworten auf „Prekäres Babylon“


  1. 1 Arbeitskampf im Kino Babylon! « Analyse, Kritik & Aktion Pingback am 20. Januar 2009 um 21:42 Uhr
  2. 2 Endlich gute Nachrichten! « prekba - prekäres babylon Pingback am 27. Februar 2009 um 15:28 Uhr
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