Bildungsstreik: Studierende gegen Niedriglöhne beim Studentenwerk

Gestern fand eine Aktion von Studierenden zu den künftigen Tarifauseinandersetzungen im Studentenwerk statt. Hier die Pressemitteilung der Aktivist_Innen:

Pressemitteilung 16.06.2009

Bildungsstreik: Studierende gegen Niedriglöhne beim Studentenwerk

Im Rahmen des heutigen Bildungsstreik-Tages gab es zeitgleich an den Mensen der TU, der HU und der Alice-Salomon-Hochschule Aktionen gegen Niedriglöhne beim Studentenwerk. „Die Kämpfe für ein soziales Bildungssystem und für würdige Arbeitsbedingungen und guten Lohn gehören untrennbar zusammen“, so die Bildungsstreikaktivistin Toni Garde über die Aktion.

Um 12:00 entrollten Studierende in der voll besetzten TU-Mensa ein Transparent mit der Aufschrift „Besonderes Angebot des Studentenwerks: Portion Niedriglohn auf Leiharbeitsrücken in prekärer Soße – ungenießbar!“ Auf Flugblättern wurden die Mittagessenden darüber informiert, dass die Geschäftsführung des Studentenwerks Petra Mai-Hartung den Beschäftigten empfindliche Einschnitte androht: Sie will die Arbeitszeit erhöhen, den Lohn einfrieren, das Weihnachtsgeld kürzen – und das, obwohl das Berliner Studentenwerk seit 2004 von den bundesweiten Tarifsteigerungen abgekoppelt ist und die Beschäftigen so bereits mit 12-16% Kaufkraftverlust konfrontiert sind. Jetzt sollen sogenannte „Un- und Angelernte“ in eine Niedriglohngruppe abgedrängt werden. Die Geschäftsführung bezeichnet die Beschäftigten dieser Gruppe als  „Knautschzone“, auf deren Rücken Einsparungen von bis zu 700.000 Euro jährlich erzielt werden sollen. Hierzu stellt Toni Garde fest: „Wir Studierenden sind auf die Arbeit der Beschäftigten des Studentenwerks angewiesen. Ohne sie würde einfach nichts an der Uni laufen! Und von guter Arbeit muss man gut leben könne. Es darf nicht sein, dass der Kostendruck auf die Beschäftigten abgewälzt wird. Das Studentenwerk, die Unis, Schulen und Kinder- und Jugendeinrichtungen müssen endlich ausreichend öffentlich finanziert werden!“

Unter lautem Applaus fordernden die Studierenden in einem Redebeitrag in der Mensa Lohnerhöhungen für alle bei einem Mindestlohn von 10€ und die Umwandlung der Leiharbeitsverhältnisse in feste und sichere Verträge. „Es werden mehr und mehr Leiharbeitskräfte als Druckmittel eingesetzt. Sie bekommen nur 50% des regulären Lohns!“, so Toni Garde weiter. Sie erklärt ihre Motivation für die Solidarität mit den Beschäftigten so: „Die Ausweitung des Niedriglohnsektors betreffen uns alle. Viele Studierende müssen zur Finanzierung ihres Studiums jobben, machen unbezahlte Praktika und wissen nicht, wozu ihr Bachelor-Abschluss gut sein wird. All das sorgt für ein Klima der Unsicherheit und der Konkurrenz, in dem die Grenze des Zumutbaren immer weiter nach unten gedrückt wird – überall. Dagegen hilft nur eins: uns gegenseitig zu unterstützen!“ Deswegen wurde auch der Leistungsdruck für die Studierenden thematisiert: Eine mit roten Pullovern mit der Aufschrift „Die Überflüssigen“ und weißen Masken bekleidete Gruppe führte in der Mensamitte ein Theaterstück auf und forderte „Geld für Bildung statt für Banken!“

Der Geschäftsführerin Petra Mai-Hartung wurde zum Abschluss ein Forderungskatalog hinterlassen und angekündigt, dass Studierende ab jetzt auch als Teil einen möglichen künftige Tarifauseinandersetzung anzusehen sind: „Gewöhnen Sie sich schon an den Gedanken. So lassen wir uns nicht abspeisen!“ war auf dem Forderungskatalog zu lesen. Während die Beschäftigten eine Infobrief über die Aktion und eine Rose erhalten hatten, bekam Mai-Hartung ein Tablett: „Niedriglohn, Leiharbeit, Arbeitsstress – Ungenießbar!“ stand auf Fähnchen, die in angefaultem Obst steckten. „Heute haben wir ein klares Signal gesendet, dass wir auf Solidarität statt Konkurrenz setzen und uns nicht gegeneinander ausspielen lassen“, resümiert Toni Garde die Aktionen.