Prekäres Babylon: Bericht zur Videokundgebung

Am 27.09. fand vor dem Babylon-Mitte die Videokundgebung des Mayday-Bündnis Berlin statt. Rund 80-100 Menschen waren erschienen und drückten so ihre Solidarität mit den kämpfenden Beschäftigten aus. In der Jungen Welt ist am Samstag dazu ein Artikel erschienen:

Solidarität mit Babylon-Beschäftigten
»Mayday-Bündnis« fordert Tarifverhandlungen. Linkspartei hat Kommunikationsproblem
Von Florian Möllendorf

Etwa 100 Menschen versammelten sich am Donnerstag abend auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin-Mitte, um den Kampf der Beschäftigten des Kinos Babylon für einen Tarifvertrag zu unterstützen. Das »Mayday-Bündnis« Berlin hatte zu einer »Videokundgebung« vor dem Filmtheater aufgerufen. In mehreren Redebeiträgen wurden die schlechten Arbeitsbedingungen in dem Lichtspielhaus kritisiert. Die Aktivisten forderten die Geschäftsführer des Kinos auf, endlich über einen Tarifvertrag zu verhandeln.

Anfang Juni hatte die anarchosyndikalistische Gewerkschaft Freie Arbeiterinnen und Arbeiter Union (FAU) dem Management des Traditionshauses einen Entwurf für einen Haustarifvertrag vorgelegt. Darin fordern die Beschäftigten unter anderem höhere Löhne und die Umwandlung aller befristeten in unbefristete Verträge. Bislang weigert sich die Geschäftsführung jedoch zu verhandeln. Deshalb ruft die FAU seit Mitte Juli zum Boykott des Babylon auf. »Der Arbeitskampf im Babylon ist ein ermutigendes Beispiel dafür, daß auch Beschäftigte im Niedriglohnsektor der Kinobranche gegen prekäre Arbeitsbedingungen kämpfen können«, betonte ein Sprecher des Mayday-Bündnisses.Die Entscheidung, von wem sie sich vertreten lassen, liege ausschließlich bei den Mitarbeitern. Das Management des Kinos begründet seine Weigerung, sich an den Verhandlungstisch zu setzen, unter anderem damit, daß sich die FAU gegen den Willen der Mehrzahl der Beschäftigten in dem Arbeitskampf engagieren soll. Außerdem seien zu wenig Mitarbeiter in der Gewerkschaft organisiert.

»Statt Geld für Sicherheitspersonal und Prozesse gegen Mitarbeiter auszugeben, sollte die Geschäftsführung endlich eine Lohnerhöhung beschließen«, sagte Andreas Heinze, Mitglied des Betriebsrates. Seit die FAU zum Boykott aufruft, werden Veranstaltungen des Filmtheaters häufig von Sicherheitsleuten bewacht. Diese sollen schon mehrfach Taschen von Kinobesuchern kontrolliert und ihnen Informationsmaterial über den Arbeitskampf abgenommen haben. Gewerkschaftern der FAU wird der Zutritt regelmäßig verwehrt.

Vor ungeahnten Schwierigkeiten scheint indes Die Linke bei ihren Bemühungen um eine Einigung in dem Konflikt zu stehen. In einem Antwortschreiben des stellvertretenden Landesvorsitzenden der Partei, Wolfgang Albers, auf einen offenen Brief der FAU an die Berliner Linkspartei kündigte der Politiker vor Wochen an, das Gespräch mit den beiden Geschäftsführern Timothy Grossman und Tobias Hackel suchen zu wollen. »Ich habe Albers vor kurzem eine E-Mail geschrieben und ihn gefragt, ob er mit unserer Geschäftsführung schon gesprochen habe. Er antwortete, daß er bislang niemanden erreicht habe. Da gehe immer nur der Anrufbeantworter ran«, erklärte ein Mitarbeiter des Kinos am Donnerstag gegenüber jW. Ob Albers Name und Telefonnummer mit der Bitte um Rückruf hinterlassen hat, ist der Redaktion nicht bekannt.

Quelle: http://www.jungewelt.de/2009/08-29/033.php?sstr=babylon

Ein weiterer Bericht zur Kundgebung erschien auf indymedia.