[deutsch/ english]

„Ich krieg die Krise…“ – und das nicht erst seit Gestern!



Die Krise beginnt jeden Morgen mit dem Weckerklingeln, zieht sich über den schnellen Kaffee am Küchentisch hin zur Plackerei auf der Arbeit, dem JobCenter Terror oder dem Ausländerbehörden Horror. Sie schwebt ständig über dem Krampf der täglichen Selbstvermarktung und den letzten Resten des Dispos. Und immer die gleiche Frage im Kopf: Was ist morgen und wie geht’s weiter? Es ist der tägliche Wahnsinn der Konkurrenz im Kapitalismus, die permanente Krise!

Wirtschaftlich gesehen ist eine Krise negatives Wachstum. Also eine Schrumpfung und damit ja an sich nicht schlecht, denn unbegrenztes Wachstum führt zu Klimakatastrophe und Kollaps. Also hoch die Krise, denn sie schenkt uns mehr Freizeit, schont die Umwelt und repariert das Ozonloch!? Schön, wenn es so wäre! Aber so lange Überleben an Einkommen, Einkommen an Arbeit und Arbeit an Wirtschaftswachstum geknüpft ist, bleibt für die meisten alles beim Alten: Stress durch zu viel Arbeit, Stress durch zu wenig Arbeit, Stress beim Blick ins Portemonnaie. Das unbezahlte Praktikum tarnt sich als Chance, die Kündigung als Sachzwang und die Selbstausbeutung als Selbstverwirklichung, Das prekäre Leben hat viele Gesichter. Mal lächelnd, mal etwas gequält.

Es ist genug für alle da! Wir schnallen nichts mehr enger! Jetzt gilt es gemeinsam und organisiert zu kämpfen. Denn die Wirtschaftskrise hat es gezeigt, dass genügend Geld vorhanden ist. Der gesellschaftliche Reichtum, den wir gemeinsam produziert haben, steht nun aber maroden und in die Krise gekommenen Konzernen und Banken zur Verfügung. Der Staat springt, wenn der Kapitalismus krankt. Diese Umverteilung nach oben sehen wir nicht ein! Unsere alltägliche Krise wird durch diese ‚Rettungsschirme‘ nicht besser – im Gegenteil! Statt Milliardenkrediten gibt es für uns Entlassungen, erhöhten Druck und ständige Angst vor sinkenden Löhnen, steigenden Mieten, und teurer Gesundheitsversorgung.

Von Arbeit muss man leben können – ohne aber auch. Mit bloßen Appellen an die Staatsapparate für eine neue Sozialpartnerschaft geben wir uns nicht zufrieden. Der Kapitalismus bietet uns keine Möglichkeit zur solidarischen Veränderung. Die Verwertungslogik, nach der jeder Mensch allein und auf sich gestellt seinen „Wert“ für die Gesellschaft beweisen muss, ist falsch. Diese Logik führt auch dazu, dass sich viele nur als Einzelne widersetzen. Ob sie alleine schwarzfahren weil sie kein Geld für ein Ticket haben, blau machen müssen um dem Arbeitsstress zu entgehen, bleiben ohne Aufenthaltsgenehmigung oder, oder, oder… Viele dieser kleinen alltäglichen und isolierten Widerstände erfordern von uns regelrechte Superhelden-Kräfte, damit wir Prekären im Kapitalismus überleben können. Damit wir diese nicht mehr brauchen, werden wird den sozialen Widerstand und Kämpfe organisieren, uns auf der Mayday-Parade kollektiv sichtbar machen und für eine Gesellschaft kämpfen in der wir den Zwang zur Ausbeutung überwunden haben.



Also Schluss mit der permanenten Krise! Schluss mit der Vereinzelung der SuperheldInnen des Alltages! Schluss mit Kapitalismus! Organisieren wir das schöne Leben, damit wir bald sagen können: „Es war nicht alles Schlecht im Kapitalismus!“

Bitte fehlendes Ergänzen: +++ ______ +++ Ich krieg die Krise beim JobCenter: beim stundenlangen Schlange stehen, bei den ständigen Schikanen und den sinnlosen Beschäftigungsmaßnahmen. +++ Ich krieg die Krise bei meinem – was weiß ich wievielten – Praktikum, weil ich immer noch keine Aussicht auf ein regelmäßiges Einkommen habe +++ Ich krieg die Krise, weil ich die ganze Zeit arbeite und das Geld trotzdem nicht reicht. +++ Ich krieg die Krise an der Uni, wo kritische Wissenschaft abgeschafft und der Leistungsdruck erhöht wird und am Ende jeder nur alleine hinter seinen Scheinen her rennt. +++ Ich krieg die Krise bei der Leiharbeitsfirma. Ich bin doch kein Sklave . +++ Ich krieg die Krise, meine Duldung vom Ausländeramt wieder nur drei Monate gilt. +++ Ich krieg die Krise weil bei Geld der Spaß aufhört +++ ______ +++

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“I‘m in a Crisis” …and not just since yesterday!

The Crisis begins every morning with the ringing of the alarm clock, and continues with the quick coffee gulped down over the kitchen table, through work, the terror at the JobCentre or the horror at the Immigration Office. It overhangs the daily need for self-promotion and the last part of my overdraft. And all the while, the same questions turn over and over in your head: what will tomorrow bring, and how will it go on? This is the everyday frenzy of Capitalist competition, the permanent Crisis.

Economic crises, such as the current one, often coinside with a decrease in growth. Does that mean, that we will soon have more time, as we will have less work? It would be great if this is how it were! As long as survival is tied to income, income to work, and work to economic growth, things will stay the same for many people: stress from too much work, stress from too little work, stress with every glance in the wallet. The unpaid internship disguised as an opportunity, being layed off as practical constraint and self-exploitation as self-actualisation; Precarity has many faces, some laughing, some agonised.

There is enough for everyone! We are not going to pull the belt tighter anymore! We must organise ourselves collectively and fight for our rights together. Because the economic crisis has shown us that there is enough money out there. Societies abundance, which we collectively produced, is given to ailing companies and banks. The State jumps to help when Capitalism is sick. But we won’t stand for this hierarchical redistribution from below to above! Our everyday Crisis will not get better through this “umbrella” approach, on the contrary! Instead of billions worth in credit, we get redundancies, more pressure, and fear from decreased wages, increased rent and ever climbing health costs.

We need to be able to live from our work, and we need to be able to live when we don’t have work. We are not content with appeals to the State apparatus for a new social partnership, they are not enough. Capitalism gives us no possibilities for a processes of change in solidarity. The logic of the human as an individual economic actor, against which every person is individually valued and needs to justify their social worth, is false. This logic also implements individual defiance. Whether you fare-dodge alone because you don’t have the money for a ticket, have to drink yourself into a stupor to deal with work stress, or overstay your visa, or, or, or…. So many of these small, everyday, isolated resistances require us to have proper Superhero powers just so that we can survive the Precarity of Capitalism. So that we don’t need these anymore, we will organise in social resistances and struggles, make ourselves collectively visible at the Mayday Parade and fight for a society in which the pressure to exploit ourselves has been overcome. And we will also have a lot of fun!

So enough of the permanent Crisis! Enough of being sole Superheros in our daily lives! Enough of this Precarity crap! Enough of Capitalism! Let’s become active and organise the good life, so that we can soon say: “Not everything was bad in Capitalism!”

We will see eachother! Mayday 2009

Please fill in the blanks: +++ +++ I‘m in a Crisis at the JobCentre: standing for hours in the queue, with the continual harassments and the pointless employment activities. +++ I‘m in a Crisis during my – who knows how many – internships, because I still don’t have a clear view of a regular income and the money is just not enough. +++ I‘m in a Crisis at University, when they get rid of critical scholarship and the pressure to perform gets higher and higher and all that seems to matter in the end are the course certificates. +++ I‘m in a Crisis at the temporary employment agency, when I always need to change workplaces and am treated like a second rate employee. +++