Archiv der Kategorie 'Erwerbslosigkeit'

Arbeitsfrühstück für Begleiter/innen: 31.10. | 11Uhr

Das nächste Arbeitsfrühstück für Begleiter/innen und Menschen, die es gerne werden möchten steht an. Und zwar am Samstag, den 31.10. um 11Uhr im Mieterladen Friedrichshain (Kreutzigerstr. 23). Bring wie gehabt was zum frühstücken mit, sag deinen Freundinnen und Freunden bescheid und komm vorbei. Mehr Informationen zum Frühstück und die Einladung zum selber verschicken, findest du hier: http://zahltagberlin.blogsport.de/.

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31.10. | 11Uhr | Arbeitsfrühstück für Begleiter/innen
Mieterladen Friedrichshain (Kreutzigerstr. 23)
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Kontakt solidarisch-begleiten(at)riseup.net
Internet http://zahltagberlin.blogsport.de/

Arbeitsfrühstück Solidarisches Begleiten

Jede/r Erwerbslose muss früher oder später zu einem Termin aufs Amt. Viele dieser Termine sind unangenehm und belastend. Eine Begleitung wirkt da oft Wunder. Der Umgangston wird freundlicher und entspannter, angeblich festgefahrene Situationen lassen sich plötzlich regeln und Erwerbslose erhalten Leistungen, die ihnen bislang verwehrt wurden.

Am Samstag, den 29.August um 10:30 Uhr, treffen wir uns im Mieterladen (Kreutzigerstr. 23, Friedrichshain) zum Arbeitsfrühstück für Begleiter/innen.

Dort können wir uns über alles austauschen. Insbesondere stehen folgende Themen an:

+ für die neuen Mitstreiter/innen: eine kleine Anleitung zum Suchen/Finden von Begleiter/innen über unsere Mailingliste
+ Gibt es Erfahrungen mit Begleitungen, die über die Mailingliste liefen?
+ Austausch über die nächste Aktion „Keine/r muss allein zum Amt!“
+ …

… und natürlich soll das ausgiebige Frühstücken und einfach so miteinander reden und in Kontakt kommen nicht zu kurz kommen: Bringt ein paar Brötchen oder Aufstrich, Tee oder Kaffee mit!

29.08. | 10:30Uhr | Arbeitsfrühstück Solidarisches Begleiten
Mieterladen (Kreutzigerstr. 23, U-Bhf Samariterstr.)

Kontakt: solidarisch-begleiten(at)riseup.net

Radikaler sind die Jobcenter

In der aktuellen Jungle World befindet sich ein Artikel, der sich mit Hartz IV und den Protesten dagegen beschäftigt. In diesem wird über die Intitiative „Keine/r muss allein zum Amt!“ und das letzte BegleiterInnen Frühstück berichtet. Guido von der Arbeitslosen Selbsthilfe Oldenburg berichtet über die Schwierigkeit mit Einzelfällen auf die Schikanen im Amt hinzuweisen, da so die allgemeine Angst vor der Arbeitslosigkeit bedient wird. Und das Jobcenter wird ebenfalls als Ort des Konfliktes dargestellt, wo die Sachbearbeiter_innen Quoten erfüllen müssen, da sie sonst selber ihren befristeten Job verlieren. Aber les selbst:

Radikaler sind die Jobcenter

Erwerbsloseninitiativen versuchen unter anderem durch einen
»Begleitschutz« bei Terminen im Jobcenter, die Solidarität der
Hartz-IV-Empfänger zu stärken.

von Daniel Steinmaier

*

Daniel Kluge, Ende 30, Industriekaufmann, hat sich auf eine vom
Jobcenter angebotene Arbeitsmöglichkeit nicht wie gefordert telefonisch,
sondern schriftlich beworben, da er den Arbeitgeber telefonisch nicht
erreichen konnte. Dafür wurde er von seiner Sachbearbeiterin wegen
»Vereitelung« einer Arbeitsaufnahme sanktioniert, drei Monate lang bekam
er 30 Prozent weniger Arbeitslosengeld II: 347 Euro minus 104 Euro, also
104 Euro unter dem Existenzminimum.

Kluges Fall ist einer von vielen, die die »Berliner Kampagne gegen Hartz
IV« recherchiert und in einer fast hundertseitigen Broschüre zum
Sanktionswesen dokumentiert hat. Seine Auseinandersetzung mit dem
Jobcenter, in der er sich gegen die Sanktionierung wehrt, liest sich,
als hätte es seine Sachbearbeiterin auf ihn abgesehen. Am Ende klagt er
vor Gericht und bekommt Recht. Auch das ist nicht außergewöhnlich. Eine
große Zahl der Sanktionen hält einer juristischen Prüfung nicht stand.

Für Reinhard Müller, den Leiter des Jobcenters Marzahn-Hellersdorf, ist
dies jedoch kein Indiz dafür, dass Sanktionen willkürlich ausgesprochen
werden. »Wenn vor Gericht Entscheidungen zu Sanktionen kassiert werden,
geht es dabei oft nicht um die Frage, ob die Sanktion in der Sache
berechtigt war – also ob der Klient etwa einen Termin zu Recht nicht
wahrgenommen hat oder berechtigt ein Arbeitsangebot abgelehnt hat –,
sondern um formaljuristische Fehler bei der Bearbeitung, die leider hin
und wieder unvermeidbar sind«, sagt er der Jungle World. (mehr…)

Einladung zum Frühstück der Solidarischen Begleiter/innen

Die Initiative „Keine/r muss allein zum Amt“ lädt ein zum gemeinsamen Frühstück:

Jede/r Erwerbslose muss früher oder später zu einem Termin aufs Amt.
Viele dieser Termine sind unangenehm und belastend. Eine Begleitung wirkt da oft Wunder: Der Umgangston wird freundlicher und entspannter. Angeblich festgefahrene Situationen lassen sich plötzlich regeln. Und Erwerbslose erhalten Leistungen, die ihnen bislang verwehrt wurden.

Das Begleiten ins JobCenter ist praktizierte Solidarität im Alltag!
Am kommenden Samstag, den 18.Juli um 10:30 Uhr, treffen wir uns im UBI KliZ Kreutziger Str. 23 in Friedrichshain zum dritten Arbeitsfrühstück für Begleiter/innen und solche, die es werden wollen.

Dort können wir ins Gespräch kommen und uns austauschen über:
- eine kleine Anleitung zum Suchen/Finden von Begleiter/innen
- Erfahrungen mit Begleitungen. Worauf müssen wir besonders achten?
- nächsten Jobcenter-/Zahltag!-Aktionen

Und natürlich soll das ausgiebige Frühstücken und einfach so miteinander reden und in Kontakt kommen nicht zu kurz kommen: Bringt ein paar Brötchen oder Aufstrich, Tee oder Kaffee mit!

18.07. | 10:30Uhr | BegleiterInnen Arbeitsfrühstück
Mieterladen Friedrichshain (Kreutzigerstr. 23/ U-Bhf Samariterstr.)

Weitere Informationen absofort auch unter: http://zahltagberlin.blogsport.de/

Die Initiative hat eine neue Email-Kontakt-Adresse: solidarisch-begleiten(at)riseup.net Du musst lediglich das (at) durch @ ersetzen und schon kannst du Kontakt aufnehmen.

KeineR muss allein zum Amt! – Teil III: 02.07.09 Friedrichshain-Kreuzberg

JedeR Erwerbslose muss früher oder später zu einem Termin bei SachbearbeiterInnen auftauchen. Viele dieser Termin sind für BezieherInnen von Hartz-IV unangenehm und belastend.

„Warum habe ich meine letzte Leistungszahlung nicht erhalten? Wann bekomme ich endlich mein Geld?“
„Muss ich schon wieder eine neue Eingliederungsvereinbarung unterschreiben? Wozu werde ich da eigentlich verpflichtet und ist das überhaupt rechtens?“
„Darf ich umziehen, obwohl das Jobcenter seit Monaten den Antrag unbearbeitet liegen lässt?“
„Muss ich mich behandeln lassen, als wäre ich ein Hilfsschüler?“

Diese und viele ähnliche Fragen, Nöte und Ängste sind im Alltag von Hartz-IV-BezieherInnen Normalität geworden. Aus diesem Grund findet am Donnerstag, den 02.07., von 10-14Uhr wieder die Aktion „KeineR muss allein zum Amt“ vor dem Jobcenter Kreuzberg-Friedrichshain (Rudi-Dutschke-Str. 3) statt.

Falls du Lust hast selber solidarisch zu Begleiten oder eine Begleitung benötigst, dann melde dich einfach bei jobcenter.begleitung (at) web.de

02.07. | 10-14 | KeineR muss allein zum Amt!
Jobcenter Kreuzberg-Friedrichshain (Rudi-Dutschke-Str. 3/ U-Bhf Kochstraße)

Meute macht Beute – Bericht zum Workshop „KeineR muss allein zum Amt“

oder: Weitere Schritte in Richtung eines Zahltags in Berlin

Bericht über den Workshop zum Begleitschutz bei Jobcentern am 13. Juni 2009 im Haus der Demokratie, Berlin.

„Wenn wir mit einem Beistand zum Amt gehen, dann erleben die meisten Hartz IV-EmpfängerInnen viel mehr Freundlichkeit – oder anders ausgedrückt: Wir erleben besseres Benehmen der SachbearbeiterInnen.“ So berichten zwei Oldenburger „Zahltag“-Aktivisten.

Am Samstag war es endlich soweit: Vertreter der Oldenburger Gruppe ALSO (Arbeitslosen-Selbsthilfe Oldenburg) besuchten die Berliner AktivistInnen, die seit einigen Monaten versuchen die solidarische Organisierung unter Hartz IV-EmpfängerInnen voranzutreiben.

Insgesamt 50 Interessierte versammelten sich im Haus der Demokratie und bildeten sich über die Möglichkeiten auf dem Amt „Solidarisch zu begleiten“ fort. Dass es sich dabei nicht nur um eine individuelle Unterstützung von Hartz IV-EmpfängerInnen, sondern um einen politischen Organisierungsansatz handelt, wurde anhand der kleinen Vorträge der Oldenburger und vor allem einem Dokumentarfilm deutlich. In diesem bildeten mehr als zehn Personen einen Beistand und begleiteten einen ALG-II-Empfänger zur ARGE in Oldenburg. Im Büro des Sachbearbeiters, einem den Aktivisten gut bekannten und repressiven Mitarbeiter der Oldenburger ARGE, verkündeten Betroffener und Beistand: „Wir bleiben hier bis hier und heute dem Familienvater das Geld ausgezahlt wird.“ Der Film endet mit einem Happy End: das Geld konnte eingefordert und damit deutlich gemacht werden, dass es möglich ist eine solidarische Gegenmacht aufzubauen.

Doch was ist ein Beistand eigentlich? Ein Beistand ist eine Unterstützung, die sich Betroffene zu Ämtergängen organisieren können, so steht es im Sozialgesetzbuch (SGB). Der Beistand kann als Zeuge dienen, moralische Unterstützung geben und bei der Durchsetzung von Rechten helfen. Es geht darum solidarisch mit den Betroffenen zu handeln, nicht für sie, so betonten die Referenten. Auch reicht es, wenn man mitgeht und sagt „Ich bin der Beistand“, weder Name noch Ausweis müssen kundgetan werden. Diesem widersprechen die Amt-Mitarbeiter häufig, aber zu Unrecht, so wurde in der Rechtssprechung immer wieder festgestellt. Einer der beiden Oldenburger drohte einmal, als der Sachbearbeiter seinen Ausweis als Beistand forderte, einfach mit Amtsanmaßung. Das hatte gewirkt, schon konnte der Beistand sitzen bleiben, ohne Personalausweis-Kontrolle, „ich nannte mich einfach Herr Beistand“, so der Aktivist. Dass die Beistände den Ämtern und Sachbearbeitern unlieb sind, wurde in den Geschichten der Oldenburger immer wieder deutlich: So versuchen Sachbearbeiter zu verhindern, dass Beistände aus mehreren Personen bestehen und das Büro plötzlich voll von Menschen ist. Aber auch das ist rechtens, erzählen die Oldenburger aus ihren Erfahrungen, denn „ein Beistand“, so das SGB, ist kein Zahlwort! (mehr…)

Einladung zum Schulungsworkshop: Solidarisches Begleiten im Jobcenter


(mehr…)

Erstes Frühstück des solidarischen Begleitschutzes

Letzten Samstag fand das erste Frühstück des Pooles des solidarischen Begleitschutzes statt. Auf fels.nadir.org steht dazu folgendes:

Am Samstag, den 23.05., fand das erste Frühstück des solidarischen Begleitschutzes statt und knapp 20 Leute sind er Einladung gefolgt. Eingeladen hatte die Aktions-AG, die aus dem Bündnis der „Wir zahlen nicht für Eure Krise“-Demo am 28.03. entstand, aus zahlreichen Akteuren besteht und die auch die Zahltags-Aktionen „KeineR muss allein zum Amt“ organisiert.

Bisher fanden zwei Aktionen vor Jobcentern statt. Im März in Pankow und im April in Neukölln. Ziel beider Male war es mit dem Slogen „Keine/r muss allein zum Amt“ auf einen solidarischen Begleitschutz hinzuweisen. Rechtlich ist dies durch den Paragraphen §13 Abs. 1 und 4 des SGB X abgesichert und heißt Beistand. In diesem ist festgeschrieben, dass jede Person, die zum Amt geht, ein Recht auf EINEN Beistand hat. Auch wenn es EIN Beistand heißt, wurde in Karlsruhe vom Gericht bestätigt, dass diese Formulierung keine konkrete Anzahl an Leuten festschreibt. Es können also auch mehrere Leute als Beistand eine Person begleiten. Wichtig dabei ist nur, dass jede Äußerung des Beistandes, ob es jetzt eine oder mehrere Personen sind sei dahin gestellt, als Äußerung der EmpfängerIn gezählt wird.

Diese praktische Solidarität, sollte eben nicht nur plastisch propagiert, sondern auch praktisch vollzogen werden. Aus dem Grund war es auch Ziel der Aktion einen Pool an BegleiterInnen aufzubauen, die perspektivisch Zeit und Lust haben sich zu engagieren und Menschen auf ihren Weg zum Amt solidarisch begleiten wollen. Diese praktische Solidarität gab es in Pankow zwei und in Neukölln in sogar acht Fällen.

Das Frühstück war das erste Zusammentreffen des Pooles und so trafen sich rund 20 Menschen und redeten miteinander. Wer auch Lust hat bei diesem Pool mitmachen, kann sich unter jobcenter.begleitung(at)web.de melden. Oder am 13.06. zu einem ganztägigen Workshop vorbeikommen (nähere Informationen zu diesem findet ihr demnächst in der Termin Rubrik). Auch soll Ende Juni/ Anfang Juli wieder eine Zahltags-Aktion stattfinden.

Quelle: http://fels.nadir.org/de/255/begleitschutz-fruehstueck

Erwerbslosen Aktionen vor Jobcentern

In Hanau, Duisburg und Bonn fanden Aktionen von Erwerbslosen vor Jobcentern statt. Diese wollten an die vor knapp 4Jahren durch geführten „Agenturschluss“ Aktion hinweisen und auf die systematischen Schikanen und Diskriminierung aufmerksam machen. Dazu steht im Neuen Deutschland:

Mit Begleitung zum Amt
Aktionen vor Jobcentern und Arbeitsagenturen breiten sich aus

Von Peter Nowak

In Hanau, Duisburg und Bonn haben Erwerbslose am
Montag vor und in Arbeitsagenturen, ARGEn und Jobcentern gegen
Schikanen und Diskriminierung protestiert.

In Bonn hatten sich ca. 80 Personen zur Aktion »Agenturschluss« versammelt. Mit dem Begriff erinnerten die Initiatoren, verschiedene Erwerbslosengruppen aus Bonn, Köln und Umgebung, bewusst an eine bundesweite Aktion, mit der am 2. Januar 2005 gegen die Einführung von Hartz IV protestiert worden war. Damals hatten viele Jobcenter an diesem Tag ihren Betrieb eingestellt. Auch die Bonner ARGE hatte bei einem Teil der Erwerbslosen die Termine kurzfristig verschoben, berichtet Martin Behrsing vom Erwerbslosenforum Deutschland gegenüber ND.

Gleich am Anfang hätte der Sicherheitsdienst der ARGE verhindert, dass die Aktivisten einen Tisch im Gebäude aufstellen konnten. Es sei allerdings auch vor dem Eingang möglich gewesen, die Betroffenen über die Aktion zu informieren. Rund 30 Personen hätten das Angebot wahrgenommen, sich von Aktivisten der Erwerbslosenbewegung bei ihrem Termin begleiten zu
lassen. Es habe sich auch hier wieder gezeigt, dass es damit gelingt, strittige Fälle schneller zu entscheiden und Anträge, die teilweise über Monate auf dem Amt liegen, zügig zu bearbeiten, berichtete Erwerbslosenaktivist Adi Altgassen gegenüber ND von seinen Erfahrungen. (mehr…)

Berichte: Jobcenter-Aktion und Scheiss-Streik

In den letzten beiden Tagen fanden einige Ereignisse statt: Ambulante Dienste traten am Montag in ihren Scheiss-Streik und gestern fand eine Aktion unter dem Motto „KeineR muss allein zum Amt“ vor dem Jobcenter Neukölln statt.
Zu beiden gab es Reaktionen in der Presse: Das Neue Deutschland schrieb zur Aktion gestern und auf heise.de wurde über den Scheiss-Streik bereichtet.

Weitere Berichte zur Jobcenter-Aktion:

KanalB hat ein Video zusammen geschnitten, dies findet ihr hier.
Es gibt auch ein Indymedia-Bericht.
Photos zur Aktion findet ihr hier.

Zur Aktion „KeineR muss allein zum Amt“:

Bloß nicht abwimmeln lassen

Politische Gruppen boten am Neuköllner Jobcenter Rat und Begleitservice an
Von Katharina Zeiher

Jobcenter Neukölln, Sonnenallee, 10 Uhr. Die Schlange reicht schon fast bis an die Tür. Doch nicht alles ist normal heute. 30 Leute haben ein Zelt und Tische aufgebaut. Kritisch beäugt von Polizisten und Jobcenter-Mitarbeitern verteilen sie Flugblätter an die Wartenden. »Keiner muss allein zum Amt!« ist das Motto der gemeinsamen Aktion von Mayday-Bündnis und Aktions-AG der Krisendemo. »Dieses Jobcenter ist das größte in Deutschland und bekannt für entwürdigende Behandlung der Erwerbslosen«, sagt Aktivist Stefan. »Wir wollen den Leuten hier zeigen, dass man durch gegenseitige Unterstützung etwas ändern kann.«

Das Angebot solidarischer Beratung und Begleitung wird rege nachgefragt. Eine der ersten Ratsuchenden ist eine kleine rundliche Frau, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie erzählt, dass das Jobcenter ihren Umzugsantrag seit Dezember nicht bearbeitet. Sie will ihren Mann, der im Wachkoma liegt, aus dem Pflegeheim nach Hause holen. Dies aber kann sie nur mit einer größeren Wohnung. Ihre jetzige Zweiraumwohnung, in der sie mit ihrem Sohn lebt, hat sie zum 30. April gekündigt. Was wird, wenn das Amt nicht vorher reagiert? Sie zuckt die Schultern. »Die erkennen nicht, wenn wer in Not ist«, meint sie und schaut zum Gebäude. Auch die finanzielle Unterstützung wurde ihr wegen »mangelnder Mitwirkung« für zwei Monate gestrichen. Sie hatte die Gewerbeabmeldung ihres Mannes, der vor seinem Schlaganfall selbstständiger Handwerker war, nicht eingereicht.

Das hat System, meint Rainer Wahls, Anmelder der Aktion. Starke Verzögerungen bei der Bearbeitung von Anträgen, Einschüchterung und unbegründete Sanktionen sind für viele Erwerbslose Alltag. »Oft kennen sich auch die Sachbearbeiter mit den gesetzlichen Grundlagen nicht aus«, sagt Wahls. An der »Meckerecke« halten Betroffene ihren Frust auf Papier fest. »Wenn der Sachbearbeiter etwas falsch versteht, wird die Leistung gekürzt«, steht hier. Und: »Sozialstaat, dass ich nicht lache!« (mehr…)

Keiner muss allein zum Amt! – Teil II: 28.04. Neukölln

Anfang März fand zum ersten Mal in Berlin eine Zahltag-Aktion unter dem Motto „Keiner muss allein zum Amt“ in Pankow statt. Morgen soll ab 10:00Uhr zum zweiten Mal diese Aktion in Neukölln (Sonnenallee 242) auf den Umstand des Solidarischen Begleitschutzes hingewiesen und Leute ermutigt werden sich an einen Pool zu betieligen, der einen solidarischen Begleitschutz selbstorganisiert anbietet. Vor Ort wird es Personen geben, die Beratung anbieten, solidarischen Begleitschutz machen und die Stimmen der Leute in einer Mecker-Ecke einfangen. Also kommt ruhig vorbei! Solidarität statt Prekarität!

Im Flyer zur Aktion heißt es:


Sich gegenseitig begleiten…

Sich begleiten lassen, andere Leute begleiten und Erfahrungen austauschen ist das Motto. Denn keineR muss allein aufs Amt! Wurden sie schon einmal begleitet und haben damit gute Erfahrungen gemacht? Oder haben sie einfach Lust, Leute bei ihrem Termin zu helfen? Können Sie sich vorstellen, ein- oder zweimal im Monat BezieherInnen von Hartz-IV als Beistand zu begleiten? Oder haben Sie vielleicht den ein oder anderen Trick, mit dem der Termin im Amt ganz besonders angenehm wird? Dann melden Sie sich bei uns ! Kontakt: jobcenter.begleitung@web.de

„Keiner muss allein zum Amt – selber solidarischen Begleitschutz organisieren!“

Jobcenter-Aktion in der Storkower Str. in Berlin

Gestern beteiligte sich das Mayday-Bündnis an der Aktion vor dem Jobcenter. Diese sollte vor allem deutlich machen, dass man Erwerbslosigkeit und die damit einhergehende ungleiche und unwürdige Behandlung auf dem Amt nicht einfach über sich ergehen lassen muss, sondern es verschiedene Ansatzpunkte für Widerstand gibt. Aktionen wie gemeinsam auf‘s Amt zu gehen können einzelnen den Rücken stärken und ein Austausch über Probleme auf dem Amt der Beginn eines Organisierungsprozesses sein.

„Herr Taegtow behandelt mich schlecht“

Aus diesen Gründen war Bestandteil der Aktion, auf den Umstand des solidarischen Begleitschutzes – oder wie es rechtlich heißt Beistand (SGB X, §13) – hinzuweisen und diesen auch praktisch anzubieten, was auch gleich vor Ort genutzt wurde. Denn: KeineR muss allein zum Amt! Oft gibt es Situationen, wo die Gemüter sich erhitzen, weil Schikanen von Seiten der FallmanagerInnen passieren. In diesen Situationen hilft es eine Person an der Seite zuhaben, die entweder deeskalierend wirken oder als ZeugIn für die Situation für weitere Auseinandersetzungen wichtig sein kann. Außerdem verhalten sich FallmangerInnen oft auch gleich ganz anders, wenn eine weitere Person mit anwesend ist. Ein solidarischer Begleitschutz oder Beistand kann so oft äußerst hilfreich sein. Wer Interesse hat, andere Leute mal mit zum Arschamt zu begleiten kann sich gerne bei uns dem Mayday-Bündnis oder bei folgender email-adresse jobcenter.begleitung( at )web.de melden.

„Ich bin ein Mensch, ich lass mich nicht verleihen“

Ein weiterer Teil der Aktion war eine Meckerecke, die von vielen aktiv genutzt wurde. Hier konnten die eigenen Erfahrungen mit dem Jobcenter in der Storkower Straße von allen gesehen werden und durch die Vielzahl der gesammelten Eindrücke wurde die systematische Entwürdigung und Drangsalierung deutlich. Die Vielzahl der Aussagen zeigte somit nicht nur reges Interesse, sondern verdeutlichte, dass das individuelle Erleben kein Einzelfall ist. Zu unserem Bedauern wurden die persönlichen Eindrücke nach dem Ende der Aktion von den dortigen Sicherheitskräften umgehend wieder abgehängt.

„Dafür habe ich jetzt eine Urkunde, dass ich qualifiziert bin zum Spaten-Benutzen“

Während der Aktion wurden u.a. Redebeiträge vom Erwerbslosen Forum Berlin (zur sogenannten „Vertafelung“ der Gesellschaft), der Arbeitslosen Selbsthilfe Oldenburg (ALSO), der FAU-Berlin (zu dem konkreten Fall der Kündigung eines 1-Euro Jobbers), sowie der Gruppe Soziale Kämpfe (zur Demo „Wir zahlen nicht für Eure Krise – Für eine solidarische Gesellschaft“ am 28. März) gehalten. Ein Aktionstheater rundete den Tag ab.


Diese Aktion fand im Vorfeld der Demo „Wir zahlen nicht für eure Krise! Für eine solidarische Gesellschaft!“am 28. März und der Berliner Euromayday Parade am 1. Mai statt.

weitere Informationen zu Sozialberatung:
www.erwerbslosenforum.de
www.tacheles-sozialhilfe.de
www.also-zentrum.de

Presse im Vorfeld:
TAZ-Artikel am 04.03.

Bericht der Aktion bei indymedia.
Bericht der Aktion auf dem Presse-Portal des Erwerblosenforums.

Interview der Arbeistlosen Selbshilfe Oldenburg in der Jungen Welt.

Und hier ein kleines Video von der Aktion.